Verfasst von
Federer Foundation
15 April 2026
Ein komplexer Systemkontext
Namibia zählt zu den Ländern mit mittlerem Einkommen, dennoch ist die Ungleichheit weiterhin hoch. Obwohl rund 23 % des Staatshaushalts für Bildung bereitgestellt werden, erhielt die frühkindliche Bildung bisher nur einen geringen Anteil dieser Mittel. Zwischen 2018 und 2023 entfielen durchschnittlich lediglich 2,9 % der Ausgaben des Bildungsministeriums auf die Vorschulbildung, was zu tieferen Einschulungsquoten, Wiederholungen in den frühen Klassen und Schulabbrüchen vor dem Ende der Sekundarschule beitrug.
Die geografische Lage stellt eine weitere Herausforderung dar. Namibias grosses Staatsgebiet mit einer Bevölkerung von rund 2,5 Millionen Menschen macht die landesweite Erbringung von Dienstleistungen sowohl anspruchsvoll als auch kostspielig. Abgelegene ländliche Gebiete, überschwemmungsgefährdete nördliche Regionen und eine unzureichende Infrastruktur beeinträchtigen den gleichberechtigten Zugang zu Angeboten des frühen Lernens zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund wurde die Schulbereitschaftsinitiative (SRI) als landesweites Projekt zur Stärkung des frühkindlichen Lernens für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren ins Leben gerufen. Durch lokale Partnerorganisationen wie LifeLine/ChildLine, Church Alliance for Orphans und Women’s Action for Development umgesetzt, soll die Initiative die Qualität des Lehrens und Lernens in mehr als 2’500 Institutionen verbessern und damit einen reibungsloseren Übergang in die Primarschule unterstützen. In den vergangenen sieben Jahren hat die Initiative die Weiterbildung von fast 3’500 Lehrpersonen ermöglicht und mehr als 200’000 Kinder erreicht.

Im Rahmen der SRI arbeiten Gemeinden mit der Regierung und der Privatwirtschaft zusammen, um Vorschulen zu verbessern – oder sogar neu zu errichten © Federer Foundation von Paavo Shooya
Vom Projekt zum öffentlichen System
In Namibia zeigt sich der Wandel nicht nur in den Klassenzimmern, sondern in der Integration verbesserter Ansätze in das öffentliche Bildungssystem.
Das Bildungsministerium hat die lokalen Partnerorganisationen der Schulbereitschaftsinitiative dazu eingeladen, Erkenntnisse, Instrumente und Kostenanalysen für die nationale Planung einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Entwicklung beizusteuern. Zu den Themen gehören die Integration von «ChildSteps» in nationale Systeme sowie die Stärkung der Bildungsdatensysteme mithilfe der im Rahmen der Initiative erhobenen Daten zu Einschulung, Anwesenheit und kindlicher Entwicklung.
Auf regionaler Ebene führt die Eigenverantwortung zu konkreten Massnahmen.
So hat beispielsweise die regionale Bildungsbehörde in der Region Kunene ein eigenes Budget für die Weiterbildung von Lehrpersonen und für Auffrischungsschulungen zur Nutzung von Tablets und verwandten Unterrichtsmethoden bereitgestellt. Ausserdem haben die Behörden Anerkennungsmechanismen für Lehrpersonen eingeführt, die den «KnowHow»-Kurs absolvieren und die Methoden von «ChildSteps» wirksam anwenden. Dies stärkt sowohl die Motivation als auch die Umsetzungsqualität.
In Oshana hat sich der leitende Bildungsbeauftragte für den Vorschulbereich, Herr Sakeus Johannes, für den Einsatz von «ChildSteps» in allen Kindergärten eingesetzt. Diese von der regionalen Führung unterstützte und über die Schulinspektorinnen und -inspektoren an die Schulleitungen kommunizierte Richtlinie signalisiert ein wachsendes institutionelles Bekenntnis zu einheitlichen digitalen Beurteilungsansätzen, die mit den nationalen Rahmenbedingungen im Einklang stehen. Lehrpersonen werden zudem ermutigt, Tablets als Instrument für ihre kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung zu nutzen.
Zusammengenommen spiegeln diese Schritte bedeutsame Veränderungen bezüglich Rechenschaftspflicht, Ressourcenzuteilung und beruflicher Praxis im öffentlichen Bildungssystem wider.
Abstimmung auf nationale Prioritäten
Die Integration von SRI-Ansätzen in breiter angelegter nationaler Initiativen trägt zu deren Nachhaltigkeit bei.
SRI unterstützt Namibias nationale Prioritäten in den Bereichen der Humankapitalentwicklung sowie der wirksamen Leistungserbringung und wurde formell in das neu aufgelegte “Right Start” Programm aufgenommen. Hierbei handelt es sich um eine staatliche Kampagne zur Förderung fürsorglicher Betreuung und frühen Lernens von der Geburt bis zum Alter von neun Jahren. Die SRI-Partnerorganisationen beteiligten sich an der Neuauflage 2025, indem sie ihr Fachwissen einbrachten und die Säulen der Kampagne in den Bereichen Gesundheit, frühes Lernen, Sicherheit, Ernährung und bedarfsorientierte Betreuung unterstützten.
Namibia hat zudem die Kampagne «End Learning Poverty for All in Africa» ins Leben gerufen, die sich an das Jahr der Bildung der Afrikanischen Union und dessen Fokus auf die Stärkung grundlegender Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen anlehnt. Die Beteiligung der SRI-Partnerorganisationen an diesen nationalen Plattformen zeigt die zunehmende Einbettung früher Innovation in breitere Reformagenden.
Die Rolle langfristiger Partnerschaft
Dieser Fortschritt ist das Ergebnis einer langjährigen, tragfähigen Zusammenarbeit. Die Federer Foundation hat als langfristige Partnerin lokale Organisationen bei der Entwicklung, Erprobung und Optimierung praktischer Instrumente wie des «Early Learning Kiosk», des «KnowHow»-Kurses und des Tools für die Entwicklungsbeurteilung «ChildSteps» unterstützt. Die Partnerschaft orientierte sich stets an den staatlichen Prioritäten, legte Wert auf gemeinsame Planung und förderte die schrittweise Integration in öffentliche Strukturen.
Durch kontinuierliche Investitionen haben Partnerorganisationen dazu beigetragen, Ansätze zu etablieren, welche für die systemische Integration und eine langfristige staatliche Trägerschaft prädestiniert sind.
Ausblick
Während Namibia weiterhin finanzpolitischen Druck und geografische Herausforderungen zu bewältigen hat, zeigt die Integration von SRI-Ansätzen in staatliche Systeme, auf welche Weise lokal umgesetzte Innovationen –unterstützt durch langfristige Partnerschaften – fester Bestandteil der öffentlichen Bildungslandschaft werden können.
Innovationen im frühen Lernen werden nicht mehr nur in Zusammenarbeit mit der Regierung entwickelt, sondern zunehmend von ihr selbst verantwortet.


